Balkonkraftwerk: Ertrag berechnen und richtig ausrichten

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Ein Balkonkraftwerk hängt selten dort, wo die Sonne am besten steht. Es hängt dort, wo Platz ist: senkrecht am Geländer, an einem Balkon, der zufällig nach Osten zeigt, unter dem Balkon der Nachbarn. Die Faustzahlen für Hausdächer mit 35 Grad Neigung passen dafür nicht.

Diese Anleitung rechnet deshalb mit den Werten, die für Balkone gelten: 800 Watt Wechselrichter, Module senkrecht, fünf Himmelsrichtungen. Alle Zahlen stammen aus dem Rechenweg des SolarFinder-Rechners – stündliche Einstrahlungsdaten von PVGIS, dem Dienst der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission, für das Wetterjahr 2019 und mit 18 Prozent Systemverlusten.

Kurz vorweg: Ein senkrecht nach Süden hängendes 800-Watt-Balkonkraftwerk liefert in Deutschland rund 540 bis 630 Kilowattstunden im Jahr, nach Osten oder Westen rund 370 bis 440. Wie du auf deine Zahl kommst, was du anmelden musst und woran es am häufigsten scheitert, steht in den folgenden Schritten.

Was du brauchst

  • Die Himmelsrichtung deines Balkons – ein Handy-Kompass reicht, SolarFinder misst sie auch direkt
  • Die geplante Modulleistung in Watt Peak (steht auf dem Datenblatt, meist 400 bis 500 Wp je Modul)
  • Deinen Jahresstromverbrauch von der letzten Abrechnung
  • Einen Blick darauf, was den Balkon im Winter verschattet: Balkon darüber, Brüstung, Nachbarhaus, Bäume

1Was 2026 erlaubt ist: 800 Watt, 2.000 Watt Peak, Stecker

Für Balkonkraftwerke – im Gesetz „Steckersolargeräte“ – gelten in Deutschland zwei Grenzen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz nennt in § 8 Absatz 5a eine installierte Leistung von insgesamt bis zu 2 Kilowatt und eine Wechselrichterleistung von insgesamt bis zu 800 Voltampere. Praktisch heißt das: Module mit zusammen bis zu 2.000 Watt Peak, ins Hausnetz gehen höchstens 800 Watt. Beide Werte gelten je Anschluss, mehrere Geräte zählen zusammen.

Der Strom, den du nicht selbst verbrauchst, fließt unentgeltlich ins Netz. Eine Einspeisevergütung gibt es dafür nicht; dafür darf der Netzbetreiber keine zusätzliche Anmeldung verlangen. Eingetragen wird das Gerät nur im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur – innerhalb eines Monats nach der Inbetriebnahme, mit wenigen Angaben. Der Netzbetreiber erfährt es von dort.

Beim Stecker hat sich mit der Produktnorm DIN VDE V 0126-95 etwas geklärt, die seit 1. Dezember 2025 gilt: Ein Haushaltsstecker („Schuko“) ist zulässig, wenn das Gerät die dafür vorgesehenen Schutzmaßnahmen hat. Die Norm begrenzt die Modulleistung mit Haushaltsstecker aber auf 960 Watt Peak. Wer bis 2.000 Watt Peak ausreizen will, braucht eine spezielle Energiesteckvorrichtung. Geräte, die schon in Betrieb sind, betrifft die Norm nicht.

Und schließlich der alte Zähler: Ein Ferraris-Zähler ohne Rücklaufsperre darf vorübergehend weiterlaufen, bis der Messstellenbetreiber ihn tauscht. Du musst mit dem Balkonkraftwerk also nicht warten.

Grenzen für Balkonkraftwerke in Deutschland (Stand 09/2026)
WasGrenzeGrundlage
Wechselrichter (Einspeisung)800 VA§ 8 Abs. 5a EEG
Module (installierte Leistung)2.000 Wp§ 8 Abs. 5a EEG
Module mit Haushaltsstecker960 WpDIN VDE V 0126-95 (neue Geräte)
AnmeldungMarktstammdatenregister, 1 Monat§ 5 MaStRV
Meldung an den Netzbetreibernicht nötig§ 8 Abs. 5a EEG

2Wie viel ein senkrechtes Modul je Kilowatt Peak liefert

Die wichtigste Zahl für jede Ertragsrechnung ist der spezifische Jahresertrag: Kilowattstunden je Kilowatt Peak Modulleistung. Für ein Hausdach mit 35 Grad nach Süden liegt er in Deutschland um 1.000. Für ein senkrechtes Modul am Geländer ist er deutlich kleiner, weil die Sonne im Sommer steil von oben kommt und flach auf die senkrechte Fläche trifft.

Die Tabelle zeigt die Werte für senkrechte Module, gerechnet mit den PVGIS-Stundendaten, die auch der SolarFinder-Rechner lädt. Nach Süden kommen senkrechte Module in Deutschland auf rund 670 bis 790 Kilowattstunden je Kilowatt Peak – etwa 70 Prozent dessen, was dieselbe Fläche mit 35 Grad Neigung brächte. Nach Osten oder Westen sind es rund 470 bis 550, also etwa die Hälfte.

Für ein 800-Watt-Balkonkraftwerk mit zwei Modulen von zusammen 800 Watt Peak multiplizierst du mit 0,8: nach Süden in Frankfurt 732 mal 0,8, also rund 590 Kilowattstunden im Jahr; nach Westen 501 mal 0,8, rund 400.

Senkrechte Module (90°), spezifischer Jahresertrag in kWh je kWp – PVGIS-Stundenwerte 2019, 18 % Systemverluste
StadtSüdSüdostSüdwestOstWest
Hamburg673631620473465
Berlin764724688534509
Köln710677639513471
Frankfurt am Main732701669540501
München774734694549513
Wien828755752546552

3Senkrecht am Geländer: weniger im Sommer, mehr im Winter

Dass ein senkrechtes Modul weniger liefert, ist nur die halbe Geschichte. Es liefert auch anders. Im Winter steht die Sonne tief und trifft eine senkrechte Südfläche fast frontal. Im Wetterjahr 2019 kam ein senkrechtes Südmodul in Frankfurt im Dezember auf 41 Kilowattstunden je Kilowatt Peak, ein 35 Grad geneigtes nur auf 36. Im Juni war es umgekehrt: 68 gegen 141.

Über das Jahr gerechnet entfällt beim senkrechten Südmodul ein Viertel des Ertrags auf November bis Februar, beim geneigten Modul nur ein Sechstel. Zwischen Februar und September liefert die senkrechte Fläche Monat für Monat fast dasselbe. Für ein Balkonkraftwerk ohne Speicher ist das günstig: Der Strom kommt gleichmäßiger, und weniger davon geht mittags im Sommer ungenutzt ins Netz.

Wer die Module schräg stellen darf, gewinnt trotzdem deutlich. Mit 35 Grad nach Süden liefert dasselbe 800-Watt-Gerät in Frankfurt rund 840 statt 590 Kilowattstunden. Aufständerungen am Geländer müssen aber sicher befestigt sein – ein Modul wiegt 20 bis 25 Kilogramm und bietet dem Wind eine große Fläche. Ob der Vermieter oder die Eigentümergemeinschaft eine Schrägstellung erlaubt, ist die zweite Frage.

Bei Ost- und Westbalkonen ist der Winter kein Trost: Die tiefe Sonne steht dann im Südosten und Südwesten und trifft die Fläche schräg. Dort liegt der Anteil November bis Februar bei nur rund 13 Prozent.

4Die Ausrichtung des Balkons: was jede Himmelsrichtung bringt

Die Himmelsrichtung kannst du nicht ändern, aber du solltest sie kennen, bevor du Module kaufst. Die Tabelle zeigt ein 800-Watt-Balkonkraftwerk in Frankfurt, senkrecht am Geländer, für einen Haushalt mit 2.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch ohne Speicher – genau so, wie es der Rechner mit den Startwerten unten rechnet.

Süd ist erwartungsgemäß am besten, Südost und Südwest verlieren nur vier bis neun Prozent. Ost und West liefern ein Viertel bis ein Drittel weniger als Süd. Auffällig ist die rechte Spalte: Vom Ertrag eines Ostbalkons wird ein größerer Anteil selbst verbraucht, weil der Strom morgens kommt, wenn Kaffeemaschine und Wasserkocher laufen. Der Abstand beim genutzten Strom ist deshalb kleiner als beim Ertrag.

Ein Nordbalkon ist für ein Balkonkraftwerk ungeeignet. Senkrechte Module nach Norden bekommen fast nur diffuses Licht; die Investition kommt über die Lebensdauer kaum herein.

800-W-Balkonkraftwerk mit 0,8 kWp, senkrecht, Frankfurt am Main – Rechner mit PVGIS-Stundenwerten 2019, Verbrauch 2.000 kWh/Jahr, ohne Speicher
Balkon zeigt nachErtrag im Jahrdavon selbst genutztErsparnis bei 35 ct/kWh
Süd586 kWh415 kWh145 €
Südost561 kWh408 kWh143 €
Südwest535 kWh391 kWh137 €
Ost432 kWh343 kWh119 €
West401 kWh331 kWh116 €
Vergleich: Süd, 35° geneigt840 kWh522 kWh182 €

5Mehr Module als 800 Watt: was die 2.000 Watt Peak bringen

Seit die Modulgrenze bei 2.000 Watt Peak liegt, bieten viele Händler Sets mit vier Modulen an einem 800-Watt-Wechselrichter an. Das klingt nach Verschwendung, weil der Wechselrichter bei voller Sonne abregelt. Senkrecht am Balkon kommt volle Leistung aber selten vor – die Module erreichen ihre Nennleistung fast nie.

Der Rechner zeigt das an der Wechselrichter-Abregelung. In Frankfurt, senkrecht nach Süden, liefern 2,0 Kilowatt Peak an 800 Watt rund 1.310 Kilowattstunden im Jahr, gut doppelt so viel wie 0,8 Kilowatt Peak mit 586. Abgeregelt werden nur rund 150 Kilowattstunden. Nach Osten sind es 971 statt 432, nach Westen 923 statt 401.

Selbst genutzt wird davon allerdings weniger, als die Zahlen versprechen: Im Beispielhaushalt mit 2.000 Kilowattstunden steigt der Eigenverbrauch nach Süden nur von 415 auf 576 Kilowattstunden, der Rest geht unvergütet ins Netz. Mehr Module lohnen sich vor allem, wenn tagsüber jemand zu Hause ist oder ein Speicher den Überschuss in den Abend verschiebt.

Und die Norm setzt eine Grenze: Mit Haushaltsstecker sind bei neuen Geräten nur 960 Watt Peak zulässig. Für vier Module brauchst du die spezielle Energiesteckvorrichtung.

6Verschattung: der Faktor, den kein Rechner kennt

Am Balkon ist Verschattung die Regel, nicht die Ausnahme. Der Balkon darüber wirft im Sommer einen Schatten auf den oberen Teil der Module, die eigene Brüstung auf den unteren, das Nachbarhaus im Winter auf alles. Bäume, die im Sommer belaubt sind, stehen im Winter oft kahl.

PVGIS berücksichtigt den Horizont aus Geländedaten – Berge und Hügel, aber keine Häuser, keine Bäume, keinen Balkon darüber. Auch der SolarFinder-Rechner kennt deinen Balkon nicht. Eine Verschattung musst du selbst abschätzen und vom Ertrag abziehen.

Eine einfache Methode: Beobachte an einem sonnigen Tag, von wann bis wann Sonne auf die Stelle fällt, an der die Module hängen sollen. Steht sie erst ab 13 Uhr frei, fehlen einem senkrechten Südbalkon rund 40 Prozent des Ertrags – so viel liefert er in Frankfurt vor 13 Uhr Sommerzeit. Wichtig ist vor allem der Winter: Wenn die Sonne im Dezember hinter dem Nachbarhaus bleibt, fällt der Vorteil der senkrechten Montage weg.

Technisch hilft ein Wechselrichter mit zwei getrennten Eingängen, einem je Modul. Dann zieht ein verschattetes Modul das andere nicht mit herunter. Bei Modulen, die übereinander hängen und teils verschattet sind, lohnt sich auch der Blick auf die Bypass-Dioden im Datenblatt.

7Wie viel du selbst nutzt – und was es spart

Für ein Balkonkraftwerk zählt nur der Strom, den du selbst verbrauchst. Was ins Netz geht, bringt nichts, weil es dafür keine Vergütung gibt. Die Ersparnis ist deshalb der selbst genutzte Strom mal deinem Strompreis – nicht der Jahresertrag mal Strompreis.

Im Beispiel oben nutzt ein Haushalt mit 2.000 Kilowattstunden rund 70 Prozent des Ertrags eines senkrechten Südbalkons selbst, beim Ostbalkon knapp 80 Prozent. Die Grundlast aus Kühlschrank, Router und Standby-Geräten nimmt einen großen Teil auf. Bei 35 Cent je Kilowattstunde sind das 116 bis 145 Euro im Jahr.

Wie schnell sich das Gerät bezahlt macht, hängt am Preis: Teile den Kaufpreis durch die jährliche Ersparnis. Der Rechner macht das unter „Gesamtpreis“: Voreingestellt ist dort der Shoppreis eines Bausatzes, der zur eingestellten Anlagen- und Speichergröße passt, ohne passenden Preis eine Schätzung. Trage den Preis deines Angebots ein, dann rechnet er damit.

8Anmelden, Vermieter, Eigentümergemeinschaft

Nach dem Anschließen hast du einen Monat Zeit für den Eintrag im Marktstammdatenregister. Das geht online und dauert wenige Minuten; die Bundesnetzagentur hat die Angaben für Steckersolargeräte auf wenige Felder reduziert. Eine Anmeldung beim Netzbetreiber ist daneben nicht nötig.

Mieter können nach § 554 des Bürgerlichen Gesetzbuchs vom Vermieter verlangen, dass er bauliche Veränderungen für ein Steckersolargerät erlaubt – außer, sie sind ihm nicht zumutbar. Über das Wie, etwa die Befestigung oder die Optik an der Fassade, kann der Vermieter mitreden. Wohnungseigentümer haben nach § 20 des Wohnungseigentumsgesetzes einen entsprechenden Anspruch gegenüber der Gemeinschaft, die über die Durchführung beschließt.

Frag also vorher, aber rechne nicht mit einem grundsätzlichen Nein. Und kläre die Befestigung schriftlich: Ein herabfallendes Modul ist ein Haftungsfall.

9Deinen Balkon im Rechner nachrechnen

Die Links in dieser Anleitung öffnen den SolarFinder-Rechner mit Startwerten für ein Balkonkraftwerk: 0,8 Kilowatt Peak, 800 Watt Wechselrichter, 90 Grad Neigung, ohne Speicher, 2.000 Kilowattstunden Verbrauch, keine Einspeisevergütung. Der Standort ist deiner, die Ausrichtung stellst du am Regler ein oder misst sie mit dem Handy.

Der Rechner zeigt sofort eine Schätzung aus einem einfachen Modell, das die Einstrahlung aus dem Breitengrad ableitet. Nach ein bis zwei Sekunden lädt er die PVGIS-Stundenwerte für genau deinen Ort und deine Ausrichtung und rechnet damit das ganze Jahr Stunde für Stunde durch, einschließlich Abregelung des Wechselrichters. Die Zahlen in dieser Anleitung sind solche PVGIS-Werte.

Bei senkrechten Ost- und Westbalkonen liegt die erste Schätzung zehn bis 25 Prozent über dem PVGIS-Wert. Maßgeblich ist der Wert, der nach dem Laden stehen bleibt. Ohne Verbindung zu PVGIS bleibt es bei der Schätzung; im Ausdruck steht, welche Datenbasis verwendet wurde.

Beachte: Die PVGIS-Daten beschreiben ein einzelnes Jahr, 2019. Es war sonniger als der Durchschnitt; im Mittel der Jahre 2005 bis 2020 liegen die Erträge je nach Ort bis zu fünf Prozent niedriger.

Häufige Fragen

Wie viel Strom erzeugt ein 800-Watt-Balkonkraftwerk im Jahr?

Senkrecht am Geländer nach Süden rund 540 bis 630 Kilowattstunden in Deutschland, nach Osten oder Westen rund 370 bis 440. Mit 35 Grad Neigung nach Süden sind es 740 bis 880. Gerechnet mit PVGIS-Stundenwerten des Jahres 2019 und 800 Watt Peak Modulleistung.

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk am Ostbalkon?

Ja, meist. Ein Ostbalkon liefert rund ein Viertel weniger als ein Südbalkon, aber ein größerer Teil des Morgenstroms wird selbst verbraucht. In Frankfurt spart ein senkrechtes 800-Watt-Gerät am Ostbalkon bei 2.000 Kilowattstunden Verbrauch rund 119 Euro im Jahr, am Südbalkon rund 145.

Darf ich ein Balkonkraftwerk mit Schuko-Stecker betreiben?

Ja. Die Produktnorm DIN VDE V 0126-95 lässt seit Dezember 2025 einen Haushaltsstecker mit Schutzmaßnahmen zu. Für neue Geräte mit Haushaltsstecker begrenzt sie die Modulleistung aber auf 960 Watt Peak; bis 2.000 Watt Peak nur mit spezieller Energiesteckvorrichtung.

Muss ich mein Balkonkraftwerk anmelden?

Ja, im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, innerhalb eines Monats nach der Inbetriebnahme. Eine zusätzliche Meldung an den Netzbetreiber ist für Geräte bis 800 VA Wechselrichter- und 2.000 Watt Modulleistung nicht nötig.

Bringen 2.000 Watt Peak an einem 800-Watt-Wechselrichter etwas?

Beim Ertrag ja: Senkrecht nach Süden liefern 2,0 Kilowatt Peak in Frankfurt rund 1.310 statt 586 Kilowattstunden, die Abregelung kostet nur rund 150. Selbst genutzt wird ohne Speicher aber nur ein Teil davon – im Beispielhaushalt 576 statt 415 Kilowattstunden.

Quellen